Bürgeranfrage – Artenschutz in Frankenthal

Im Folgenden, haben wir noch mal die ausführliche Bürgeranfrage für Euch.

Bürgeranfrage von Lena Fröhlich:

Artenschutz in Frankenthal

Die Artenvielfalt ist weltweit bedroht, was erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme hat. Eine umfassende Studie hat bereits 2017 gezeigt, dass die Biomasse der Insektenpopulationen in einigen Regionen in Deutschland um mehr als 75% zurückgegangen ist1. Eine Erholung des Insektenbestandes ist auch in den vergangenen Jahren nicht zu beobachten2. Diese Abnahme der Insektenvielfalt wirkt sich negativ auf die Bestäubung von Pflanzen, die Kontrolle von Schädlingen und die Nährstoffzyklen in Böden aus3,4, was wiederum global betrachtet die menschliche Ernährungssicherheit gefährdet. Auch in anderen Taxa sind alarmierende Entwicklungen zu beobachten wie der drastische Vogelschwund5,6,7 oder die Aufnahme des westeuropäischen Igels auf die Rote Liste8.
Es sollte daher außer Frage stehen, dass dem Artenschutz auch in Frankenthal eine hohe Priorität eingeräumt werden muss, insbesondere auch im Hinblick auf die hohe Pestizidbelastung im Oberrheingraben – über die in diesem Jahr berichtet wurde9 – und den dadurch entstehenden Druck auf die Artenvielfalt. Daher ergeben sich für mich mehrere Fragen:

1. Mähzeitpunkte und Pflegekonzepte für Grünflächen:

Mitte Dezember wurde die große Grünfläche am Westring, die zuvor erfreulicherweise mehrere Monate weitestgehend ungemäht geblieben war, vollständig gemäht. Auch eine Wiese am Ziegelhofweg wurde im Winter vollständig gemäht. Dies stellt für die Artenvielfalt eine äußerst ungünstige Maßnahme dar, da viele Insektenarten in dieser Jahreszeit auf Rückzugsorte angewiesen sind.
– Aus welchem Grund wurde dieser Zeitpunkt für die Mahd gewählt?
– Welche Fortschritte wurden bei der Entwicklung des angekündigten Konzepts der „Pflegegrade“ erzielt?
– Wie wird sichergestellt, dass Mähzeitpunkte künftig stärker mit den Bedürfnissen der heimischen Flora und Fauna abgestimmt werden?

2. Verwendung von Laubbläsern und Laubsaugern auf öffentlichen Grünflächen:

Im Ostpark musste ich beobachten, wie Ende November sämtliche Laubschichten mit Laubbläsern und -saugern zunächst von den Wiesenflächen entfernt und schließlich Anfang Dezember auch die gesammelten Laubhaufen abtransportiert wurden. Während dies möglicherweise zum Schutz der Wiese geschieht, führt das vollständige Entfernen von Laub zu einem Verlust von Lebensräumen für Igel, Insekten und anderen Kleinstlebewesen.
– Gibt es Überlegungen, Laubhaufen gezielt anzulegen, um Rückzugsorte zu schaffen?
– Könnte ein differenzierter Einsatz von Laubbläsern unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte geprüft werden?

3. Allgemeine Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt:

– Gibt es konkrete Pläne, um gezielt Maßnahmen zum Artenschutz auf Grünflächen umzusetzen (z. B. Mosaikmahd oder das Anlegen von Totholzhaufen)?
– Mit welcher Begründung ignoriert die Stadt Frankenthal selbst bei neuen Bepflanzungen, wie bei den Hochbeeten in der Innenstadt oder den neuen Pflanzgefäßen am Hauptbahnhof und in der Wormser Straße, die Biodiversitätskrise und setzt statt auf heimische Blühpflanzen hauptsächlich auf Zierarten deren ökologischer Wert nahe Null ist?


Ich bitte um schriftliche Beantwortung der Fragen, sowie eine zusammenfassende mündliche Beantwortung. Ich werde in der Sitzung anwesend sein und zu meiner Anfrage sprechen.


Mit freundlichen Grüßen,
Lena Fröhlich

  1. Hallmann, C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., Stenmans, W., Müller, A., Sumser, H., Hörren, T., Goulson, D., & Kroon, H. de. (2017). More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE, 12(10), e0185809. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809 ↩︎
  2. Krumenacker, T. (11. März 2025). Insektensterben: Forscher sehen keinen Rückgang. Süddeutsche.de. https://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-krefeld-forscher-trendwende-li.3215082 ↩︎
  3. Schowalter, T. D., Noriega, J. A., & Tscharntke, T. (2018). Insect effects on ecosystem services—Introduction. Basic and Applied Ecology, 26, 1–7. https://doi.org/10.1016/j.baae.2017.09.011 ↩︎
  4. Cardoso, P., Barton, P. S., Birkhofer, K., Chichorro, F., Deacon, C., Fartmann, T., Fukushima, C. S., Gaigher, R., Habel, J. C., Hallmann, C. A., Hill, M. J., Hochkirch, A., Kwak, M. L., Mammola, S., Ari Noriega, J., Orfinger, A. B., Pedraza, F., Pryke, J. S., Roque, F. O., … Samways, M. J. (2020). Scientists’ warning to humanity on insect extinctions. Biological Conservation, 242, 108426. https://doi.org/10.1016/j.biocon.2020.108426 ↩︎
  5. Burns, F., Eaton, M. A., Burfield, I. J., Klvaňová, A., Šilarová, E., Staneva, A., & Gregory, R. D. (2021). Abundance decline in the avifauna of the European Union reveals cross‐continental similarities in biodiversity change. Ecology and Evolution, 11(23), 16647–16660. https://doi.org/10.1002/ece3.8282 ↩︎
  6. Lees, A. C., Haskell, L., Allinson, T., Bezeng, S. B., Burfield, I. J., Renjifo, L. M., Rosenberg, K. V., Viswanathan, A., & Butchart, S. H. M. (2022). State of the World’s Birds. Annual Review of Environment and Resources, 47(1), 231–260. https://doi.org/10.1146/annurev-environ-112420-014642 ↩︎
  7. Inger, R., Gregory, R., Duffy, J. P., Stott, I., Voříšek, P., & Gaston, K. J. (2015). Common European birds are declining rapidly while less abundant species’ numbers are rising. Ecology Letters, 18(1), 28–36. https://doi.org/10.1111/ele.12387 ↩︎
  8. Der Igel ist in Gefahr – Rote Liste der Weltnaturschutzunion. (28. Oktober 2024). Der Spiegel. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rote-liste-der-weltnaturschutzunion-der-igel-ist-in-gefahr-a-0fd4897a-e64a-4a74-8f01-24082252c7b9 ↩︎
  9. Gruber, C. (12. März 2025). Ob im Garten oder auf dem Spielplatz: Die Pfalz ist voller Pestizide – Landwirtschaft. Rheinpfalz.de. https://www.rheinpfalz.de/rheinpfalz-am-sonntag_artikel,-ob-im-garten-oder-auf-dem-spielplatz-die-pfalz-ist-voller-pestizide-_arid,5752362.html ↩︎

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